Florian Roth

Star der Suburbia

Werktags ist Florian Roth Anwalt bei Walder Wyss. An den Wochenenden tourt er als Country-Sänger Florian Fox durch die Agglo. Sein treuester Begleiter: ein Chevrolet Suburban Jahrgang 1999.

Der schwarze Suburban, der grösste aller überdimensionierten Chevrolets, brummt vor sich hin. Florian Roth dreht den Zündschlüssel des 2,5 Tonnen schweren Kraft- und Raumwunders nach links und steigt aus. «Ein Museumsauto», sagt er, gekleidet in Jeanshose und Jeanshemd, in Lederboots und Lederjacke. «Ein Teil der Show.»

Wie einer wie Roth, ein von Klienten als «schnell, schlau und sehr effizient» geschätzter Wirtschaftsanwalt, zu Showzwecken zu einem solchen Museumsfahrzeug kommt? Nun, das ist eine etwas längere Geschichte. Sie beginnt in Nashville, Tennessee, im ersten Jahr der Pandemie.

Mit nichts als einem Koffer in der Hand, einer Telefonnummer in der Tasche und einem Traum im Herzen landet er in den Südstaaten der USA. Dort will er nicht nur den LL.M. absolvieren, sondern auch mit Szene-Grössen ein Album aufnehmen und so endgültig zum Country-Act Florian Fox werden. «Country ist die authentischste Musik», sagt er. «Und um sie zu vermitteln, muss man selbst erst das Leben und die Kultur dahinter verstehen.» Von der Schweiz aus sei das unmöglich.

Er sei ein besserer Anwalt, sagt Roth, weil er Musiker sei.

Florian Roth taucht also voll in die Kultur der Hauptstadt des Country ein: «Etwas Offenheit, Respekt und Freundlichkeit lassen magische Dinge passieren.» Plötzlich teilt er sich das Studio mit ehemaligen Bandkollegen von Johnny Cash und Elvis Presley. Plötzlich wird er mit einem Texas Sounds International Country Music Award ausgezeichnet. Plötzlich kennen viele in Nashville den «Swiss Guy», wie sie ihn liebevoll nennen. «Nashville war eine Lebensschule», blickt Roth zurück. Und die Abschlussprüfung war, sich den Humor der Südstaaten zu eigen zu machen: Einem Song über Touristenfallen, in die er selbst getappt war, verleiht er kurzerhand den Titel «Swiss Guy».

Nach einem Jahr kehrt Roth in die Schweiz zurück. Im Gepäck: eine frisch produzierte Platte von Florian Fox.

Seither fragt er an den Wochenenden Linedancer, Hillbillies und Johnny Cash-Fans: «Wisst ihr, wohin ich euch heute entführe?». Die Antwort kennen alle: «Nach Nashville, Tennessee!» Er sei ein besserer Anwalt, sagt Roth, weil er Musiker sei. Und ein besserer Musiker, weil er Anwalt sei. Was noch gefehlt hatte, um das Amerika-Feeling von Florian Fox vollkommen zu machen? Ein Suburban eben.

Einem Song über Touristenfallen verleiht er den Titel «Swiss Guy».

Und so steht in Zürich ein junger Wirtschaftsanwalt neben einem Museumsfahrzeug. Seinen Gitarrenkoffer verstaut er im Laderaum, er öffnet die wuchtige Türe und dreht den Zündschlüssel. Und mit einem beruhigend selbstverständlichen Brummen zieht es ihn hinaus aus der Stadt, in die Agglomerationen der Schweiz. In die Suburbia.

Florian Roth

arbeitet seit 2018 bei Walder Wyss. An die Höschgasse führte ihn die Job Fair, ein «Speeddating» für Anwaltsstellen, und zu seiner Leidenschaft, dem öffentlichen Recht, ein Buch aus der Bibliothek: «Schweizerisches Bundesstaatsrecht» von Zaccaria Giacometti. Die Freizeit gehört seinem zweiten Ich, dem Country-Musiker Florian Fox und dessen Kutsche, einem Chevrolet Suburban.