Maurice Courvoisier

The Drums!

Maurice Courvoisier hat sich zum 50. Geburtstag ein lautes Geschenk gemacht: Er liess sich ein massgeschneidertes Schlagzeug bauen. Eine Instrumenten-Geschichte in fünf Jazz-Stücken.

Sein erstes Schlagzeug hat Maurice Courvoisier mit fünf von seinem Cousin «übernommen»: Rock-Drums, wie sie John Bonham von Led Zeppelin hatte, in grünem durchsichtigen Acryl-Plastik, ebenso laut wie schrill. 45 Jahre später entschied sich der Anwalt, endlich ein passenderes Schlagzeug zu kaufen. Eines, bei dem die Wände nicht zittern, wenn man draufschlägt. Also ging er in Basel in seinen Drum-Shop und fragte sich bald: «Weshalb ein Schlagzeug ab Stange kaufen, wenn man sich auch sein eigenes bauen lassen kann?»

«Ein bisschen ein Luxusprojekt», sagt Courvoisier. Er hat sich für ein relativ grosses Schlagzeug mit zwei Snare-Trommeln, vier Toms und einer Base-Drum aus Ahorn- und Mahagoni-Holz entschieden, und damit für einen weichen Klang. Kessel und Spannreifen wurden von einem ehemaligen Schiffbauer in Chioggia bei Venedig gefertigt. Feine Intarsien schmücken das weiss lasierte Holz. Derzeit sind transparente Felle montiert: Damit man auf das Datum der Trommeltaufe sieht, das der Instrumentenbauer zusammen mit seinen Initialen im Innern angebracht hat.

Fünf Musikstücke, fünf Etappen, die Maurice Courvoisier zum Jazz und schliesslich zu seinem personalisierten Schlagzeug führten.

Alexander's Ragtime Band: The Golden Gate Quartett

«Ich komme aus einem klassischen Elternhaus, klassisch jedenfalls in Bezug auf die Musik: Meine Mutter ist studierte Pianistin und hat an der Musik-Akademie in Basel Klavier unterrichtet, mein Vater spielte etwas Cello und liebte Kammermusik. Ich wählte die klassische Perkussion, im Sinne von: Du könntest ja mal Orchestermusiker werden.

Irgendwann fand ich in der riesigen Plattensammlung meines Vaters diese eine Platte mit afroamerikanischen Musikern darauf. «Spirituals» steht darauf, die Platte interessierte mich wahnsinnig, ein völliger Fremdkörper inmitten all dieser klassischen Musik. Ich legte sie verbotenerweise auf den heiligen Plattenspieler meines Vaters. Das war meine Erweckung in Sachen Jazz. Jazz gab es bei uns zuhause nicht. Ich fand die Musik toll, ich wollte mehr davon und mehr darüber erfahren.»

Maceo Parker, WDR Big Band:
Hallelujah I love her so

«Während dem Jusstudium verlor ich die Musik aus den Augen. Ich klimperte noch ein bisschen auf dem Klavier, habe noch in einem Chor gesungen, aber das Schlagzeug komplett vernachlässigt. Eigentlich unverzeihlich.

Ende der 90er-Jahre habe ich meinen LLM an der Columbia University in New York gemacht. Einer meiner Mitstudenten hat bei Maceo Parkers Bruder Vorlesungen zu Musikrecht besucht – er hat mich in diese Vorlesungen mitgeschleppt, die bisweilen in den Jazzclubs der Stadt stattfanden. Und da kam es eben auch, dass ich Maceo Parker gehört habe, diesen begnadeten Saxophonisten, der bei James Brown gross geworden ist.

Jahre später, ich muss etwas über 40 gewesen sein, bin ich über die Aufnahme von Maceo Parker und der WDR Big Band gestolpert. Als ich die gehört habe, hat es mir unglaublich in den Fingern gejuckt – ich wusste: Ich will und muss jetzt wieder Schlagzeug spielen. Mein Cousin ist Instrumentenbauer; er hat mir meine alte Küche wieder auf Vordermann gebracht und mir gleich auch noch einen Platz in einer Bigband organisiert.»

004 Walder Courvoisier Square Big
004 Walder Courvoisier Square Big

Blossom Dearie: My Attorney Bernie

«Ich spiele derzeit fest in zwei Bands. Am Dienstag in einer Big Band mit rund 15 Musikerinnen und Musikern und am Mittwoch in einer kleineren Formation mit sieben Kollegen die meisten davon ebenfalls Anwälte. Einer der Songs, die wir in dieser Formation spielen, heisst bezeichnenderweise «My Attorney Bernie». Schon auf Englisch ist das ein sehr witziger Name, unser Sänger hat dazu einen Baseldeutschen Text gedichtet, der ist dann noch eine Spur spritziger.

In der kleinen Band spielen wir Jazz mit ein bisschen Funk und ein bisschen Latin. Unser Pianist komponiert gerne und gut und widmet seine Songs seinen Kindern. Er hat eine Vorliebe für schräge Takte: ⅝, ¾ und so; und seinem jüngsten Kind hat er zuletzt einen Song im ⅞-Takt gewidmet. Für mich als Schlagzeuger ist das ebenso spannend wie herausfordernd. Da muss man den Kopf bei der Sache haben. Das mag ich so am Musik machen: Es ist ein guter Ausgleich, um den Kopf freizubekommen und die Fristen vom kommenden Tag einen Moment lang zu vergessen.»

Peter Herbolzheimer: Heartland

«Beim Schlagzeug-Spielen ist es wie beim Skifahren oder Schwimmen. Man kommt auch nach einer längeren Pause relativ mühelos wieder rein, stösst dann aber auch immer wieder an dieselben Grenzen. Als ich wieder angefangen habe, fühlte ich mich bald recht wohl am Schlagzeug. Jetzt nehme ich alle zwei Wochen eine Schlagzeugstunde an der Basler Jazz School. Das ist super – und frustrierend zugleich, weil ich merke, was ich alles noch nicht kann.

«Heartland» ist ein Song des Gitarristen Pat Metheny, auf den mich meine Tochter aufmerksam gemacht hat. Ich hab ihn kürzlich in der Version von Peter Herbolzheimer entdeckt, einem Musiker und Bandleader, der seine grosse Zeit in den Siebziger- und Achtzigerjahren hatte. Dank Youtube findet man ja ganz gelungene Sachen, die man so noch nie gehört hat. Das ist ein unglaublich komplexes Arrangement, richtig deftig. Und eigentlich träume ich davon, auch mal ein solches Stück in einer solchen Band zu spielen. Dieser Groove, diese Bläsersätze …»

Eigentlich träume ich davon, auch mal ein solches Stück in einer solchen Band zu spielen. Dieser Groove, diese Bläsersätze …»

Berenice Courvoisier:
If I Were

«Unsere älteste Tochter (19) spielt Gitarre und ist am PreCollege der Basler Jazz School. Sie schreibt eigene Lieder und spielt diese ein. Irgendwann kam sie zu mir und sagte: ‹Heute ist mein erstes Lied auf Spotify online gegangen. › Ich war natürlich furchtbar stolz. «If I Were» heisst dieses Erstlingswerk. In der Zwischenzeit sind einige weitere dazu gekommen.

Wir sind eine Musikerfamilie, und dass die Musik nun auch auf die nächste Generation übergeht, freut mich sehr. Und besonders schön wäre es natürlich, wenn meine Tochter wagen würde, was ich nicht gewagt habe: eine Karriere als Musikerin.»

Maurice Courvoisier fünf Musikstücke:

Alexander's Ragtime Band: The Golden Gate Quartett



Maceo Parker, WDR Big Band: Hallelujah I love her so


Blossom Dearie: My Attorney Bernie



Peter Herbolzheimer: Heartland



Berenice Courvoisier: If I Were

Maurice Courvoisier

ist seit 2014 Partner bei Walder Wyss in Basel. Der 52-Jährige hat an der Universität Basel studiert und an der Columbia University in New York seinen LLM erworben. Er konzentriert sich auf die Beratung und Vertretung von Parteien in Schieds- und Gerichtsverfahren in allen Bereichen des Gesellschafts- und Handelsrechts. Courvoisier ist in einer Familie von Musikern gross geworden: Sein Grossvater war erster Geiger des Basler Symphonieorchesters und Dirigent der Stadtmusik Basel, seine Mutter ist studierte Pianistin und hat an der Musik-Akademie in Basel Klavier unterrichtet, sein Vater war Kammermusikfan und Hobby-Cellist. Mit fünf Jahren begann er, klassische Perkussion zu spielen. Heute ist er in mehreren Bands und nimmt seit Kurzem jede zweite Woche eine Jazz-Schlagzeugstunde.