Valerio Caccia

Im Trüben fischen

Wer Fischen mit Langeweile gleichsetzt, hat keine Ahnung. Ein Treffen mit Senior Associate Valerio Caccia, der die allerbesten Spots im Tessin kennt, sie aber leider nicht preisgibt.

Geschichten über Fischer und das Fischen beginnen, logisch, mit kapitalen Fängen.

Hecht (Esox lucius)
120 Zentimeter
12,5 Kilo
14. Dezember 2021, 17.17 Uhr
Melide, Lago di Lugano

Diesen Prachtskerl von einem Fisch, diesen Riesen unter Raubfischen, hat Valerio Caccia unweit des Swissminiatur aus dem See gezogen. Er fischte schon seit Stunden und erfolglos mit seinem Bruder. Es wurde langsam Nacht in Melide und es wurde ihnen auch (zu) kalt.

Es war einer dieser typischen Fischertage, die Caccia so mag. Am See stehen, die Rute auswerfen, den Köder einziehen, auswerfen, einziehen und die Zeit vorbeiziehen lassen. «Ob man am Abend etwas gefangen hat», sagt er, «entscheidet nicht darüber, ob ein Tag gut oder schlecht war.» Oder anders gesagt: Das Fischen interessiert ihn mehr als der Fisch.

Was er sucht, wenn er am See steht und seine Angel auswirft, ist die Ruhe, die Nähe zur Natur, «einen Frieden, den ich sonst nicht finde». Es hilft ihm, die Welt um sich herum zu vergessen und in seinem Kopf Platz zu schaffen. Und es hilft ihm bei seiner Arbeit als Anwalt geduldig zu sein. Die beste und nicht die erstbeste Lösung für den Klienten zu finden. Das verbindet sein Hobby mit seinem Beruf: Man muss wissen, wo man fischt und wonach, um die Strategie zu entwickeln, die zum Ziel führt.

Man muss wissen, wo man fischt und wonach, um die Strategie zu entwickeln, die zum Ziel führt.

Jetzt steht Valerio Caccia in der Magadinoebene am Lago Maggiore, balanciert auf einem kleinen Stein einige Meter vom Ufer entfernt und wirft elegant seine Rute aus. Das Zischen des Köders, der im hohen Bogen durch die Luft schiesst, schneidet kurz die Stille. Der Gummiköder, den Valerio heute gewählt hat, stinkt nach Shrimps. Offensichtlich stehen auch die hiesigen Fische auf eine gewisse Exotik. Auswerfen, einziehen, auswerfen, einziehen, Caccia kommt ins Erzählen – und gibt einige Geheimnisse (zumindest ein bisschen) preis.

Zum Beispiel das Rezept für den perfekten Seesaibling:

• Mindestens zwei, besser drei Stunden an einen Tessiner Bergsee wandern
• Mit guten Freunden unterwegs sein
• Das Zelt aufschlagen
• Den Saibling über dem offenen Feuer fangfrisch grillieren; «nie schmeckt er besser»

Oder seine drei Lieblings-Spots, die besten Fischer- unter den 32 Tessiner Bergseen:

Lago Piiip* in der Leventina,
Laghetto di Piiip* auf weit über 2000 Metern über Meer
Laghi di Piiip* respektive Piiip*, der See mit zwei Namen

Ach ja, der kapitale Fang. Wie war das nochmals? Caccia und sein Bruder waren bereits am Zusammenpacken, als der Hecht anbiss. Sie kämpften zehn Minuten, bis der Fisch aus dem Wasser war. Geschmeckt hat er wie, na ja, Hecht halt, «interessanter zum Fischen als zum Essen».

Die Namen der Bergseen

wurden im Nachhinein auf Wunsch von Valerio Caccia unkenntlich gepiept. Nicht, dass er Angst hätte, dass ihm jemand seine Bergforellen wegfischt. Aber die Vorstellung, irgendwann am Ufer einer dieser wunderbaren Seen zu stehen, seine Rute ins kristallklare Wasser zu werfen, einziehen, auswerfen immer wieder, eine Forelle beisst, er zieht sie raus, Applaus brandet auf … nein.

Valerio Caccia

bearbeitet vor allem Fälle im Bereich des Zivil-, Gesellschafts- und Immobilienrechts. Der 31-Jährige ist seit 2017 bei Walder Wyss in Lugano. Aufgewachsen in Camorino in der Nähe Bellinzonas ist er, was das Fischen betrifft, ein echter Lokalpatriot. Bereits als Kind hat er gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder in den Tessiner Bergseen gefischt. Caccia besitzt fünf Fischerruten.