Pamela Giampietro

EIN PROST AUF DIE MALERISCHE SCHWEIZ!

Pamela Giampietro ist dort aufgewachsen, wo andere Ferien machen: Im Unesco Weltkulturerbe Nummer 1243, dem Lavaux. Sie macht in ihrer Freizeit, was andere in den Ferien machen: Durch Weinberge schlendern und immer mal wieder ein Glas Wein degustieren.

005 Walder Pamela G Slider
005 Walder Pamela G Slider

Für diese Geschichte schlagen wir eine Doppelseite der Bilderbuchschweiz auf. Darauf zu sehen: Ein grosser See, die Berge, Reben, einige zottelige Schafe, ein Weinbauer und Pamela Giampietro, die in einem traditionellen Weinkeller sitzt und ihre Nase in ein Weinglas steckt.

«MIT WEIN VERBINDE ICH DAS GLAS PRIMITIVO AM FAMILIENTISCH ZU HAUSE, MEINE ITALIENISCHEN WURZELN, DAS LAVAUX, WO ICH AUFGEWACHSEN BIN.»

Pamela Giampietro ist in Chexbres, mitten in diesem Klischee aufgewachsen, umgeben von Weinbergen und stets mit Blick auf und über den Genfersee. Ihr erstes Geld verdiente sie in den Reben, in den Schulferien half sie bei den Winzern in der Nachbarschaft mit. «Mit Wein», sagt sie, «verbinde ich das Glas Primitivo am Familientisch zu Hause, meine italienischen Wurzeln, das Lavaux, wo ich aufgewachsen bin.»

«MIT WEIN VERBINDE ICH DAS GLAS PRIMITIVO AM FAMILIENTISCH ZU HAUSE, MEINE ITALIENISCHEN WURZELN, DAS LAVAUX, WO ICH AUFGEWACHSEN BIN.»

Zurück in den «magnifiquen» Weinkeller von Martial Neyroud, dem Weinbauern oberhalb von Montreux. Was Pamela Giampietro im Weinglas riecht, ist eine Geschichte. Sie erzählt ihr von der «wahnsinnig aufwändigen Arbeit» des Winzers, die darin steckt. Vom Boden, auf dem die Reben stehen. Von den Jahreszeiten. Und vom Wetter, das dem Wein jedes Jahr seine eigene Nuance verleiht. Giampietro mag diese Geschichten, sie entdeckt sie im Glas aber auch draussen in den Rebbergen.

Sie erzählt von den Spaziergängen und dem Laufen in den Hügeln des Lavaux, dem Blick über den Lac Léman, den sie immer wieder aufs Neue überwältige, wie es ihr dort gelingt, in eine ganz andere Welt einzutauchen. Sie mag, wie sich die Natur verändert, wenn die Reben austreiben und die Früchte langsam Farbe annehmen, das Laub später in allen erdenklichen Farben leuchtet. Oder auch, wie der Boden nach einem sommerlichen Regenschauer riecht.

Und ganz offensichtlich mag sie die Schafe, die etwas weiter unten zwischen den Reben grasen. Diese erinnern sie an ihre Kindheit, auf der Wiese neben ihrem Haus weideten ebenfalls Schafe. «Was machen die in den Reben?», will sie von Winzer Neyroud wissen. Sie gehören einer seltenen Rasse an, erzählt dieser. Sie putzen zwischen den Reben raus, was sie im Herbst an Gras stehen gelassen haben. Von da zieht sich die Geschichte immer weiter. Winzer Neyroud, in vierter Generation im Weinbau tätig, 14 verschiedene Sorten auf seinen neuneinhalb Hektaren, kommt ins Erzählen. In Giampietro hat er eine aufmerksame Zuhörerin gefunden.

«Was machen die in den Reben?»

Ob sie die Geschichten bei der Degustation im Glas wiedererkennt? Sie findet jedenfalls das Holz der Reben im Gaumen wieder, rote Früchte ebenso wie eine Nuance Leder. Was sie von seinen Weinen halte, will der Winzer wissen. Eine Bewertung kann er Pamela Giampietro nicht entlocken, aber eine ausführliche Beschreibung. «Ich interessiere mich für Wein», sagt Pamela Giampietro, «und ich benenne gerne, was ich rieche und schmecke.» Offensichtlich tut sie das auch sehr präzise; jedenfalls kann selbst Neyroud der Beschreibung nichts hinzufügen.

Ebenso wichtig ist Pamela Giampietro der gesellschaftliche Teil, den sie mit dem Wein verbindet: Das Glas mit Freunden im Anschluss an einen Spaziergang, ein gemeinsames Nachtessen, der Apéro mit den Arbeitskollegen, der in der Westschweiz einen sehr hohen Stellenwert geniesst. «Bei einem guten Glas Wein kann man über alles reden.» Santé!

À propos: Die Geschichten, die sich in Martial Neyrouds Weinen finden, tischt Walder Wyss hin und wieder seinen Klienten auf.

Pamela Giampietro

arbeitet seit 2021 bei Walder Wyss in Lausanne. Die 29-Jährige ist in Chexbres aufgewachsen, einer ländlichen Gemeinde im Weinbaugebiet des Lavaux. Von Chexbres aus hat man einen wunderbaren Blick auf den See. Dieser hat schon Ferdinand Hodler in seinen Bann gezogen («Der Genfersee von Chexbres aus», 1911) und er verbindet Pamela Giampietro wie der Wein mit ihrer Heimat.